Was haben wir für einen Finanzminister?

Statement unseres Vorstandsvorsitzenden Richard L. Riedmaier

Ein paar Tage nach der Senkung der Strafzinsen für Banken auf -0,5% durch die Europäische Zentralbank hat jetzt Bundesfinanzminister und Vizekanzler Olaf Scholz in einem Interview mit der BILD-Zeitung zur Nullzinspolitik medienwirksam verkündet: "Ich mache das, was einem kein Anlageberater empfiehlt: Ich lege mein Geld nur auf einem Sparbuch, also sogar auf dem Girokonto an und da kriege ich, wie bei allen anderen, keine Zinsen. Ich bin selber Leidtragender, wie sollte das anders sein".


Mir fehlen die Worte! Der Finanzminister der Bundesrepublik Deutschland als Neandertaler bei der privaten Geldanlage?
Vielleicht resultiert das daraus, dass wir in Deutschland immer noch nicht in der Schule lernen, wie Geldanlage funktioniert? Vielleicht liegt es aber auch daran, dass er als Minister eine üppige Altersversorgung bekommt und privat nicht versorgen muss? Vielleicht ist es aber auch nur purer Populismus?


Auf jeden Fall ist es ein Schlag ins Gesicht für jeden jungen Menschen, der für die Zukunft vorsorgen muss. Ein Finanzminister kann es sich eventuell leisten, Geld zu vernichten. Denn bei Null- und Negativzinsen schwindet die Kaufkraft des Geldes jeden Tag. Ein normaler Arbeitnehmer oder Selbständiger sicherlich nicht. Denn der muss etwas tun, um im Alter ein zusätzliches Vermögen bzw. Einkommen zu haben. Allein auf die Rente kann sich der nicht verlassen.


Im heutigen Zinsumfeld gibt es für den normalen Bürger keine andere Chance, als vom Sparer zum Anleger zu werden. Er muss sein Vermögen breiter investieren und dabei auch auf Sachwerte setzen. Durch eine strukturierte Geldanlage mit einer breiten Streuung in verschiedene Anlageklassen, Regionen und Währungsräume lassen sich Chancen und Risiken ausbalancieren und mittel- und langfristig gute Renditen erzielen. Insbesondere für junge Menschen ist dies die einzige Chance, für das Alter vorzusorgen. Ein Aktiensparplan ist ein MUSS für jeden jungen Menschen.


Eine echte Zinswende und nachhaltige Zinsniveaus, wie wir es früher hatten, wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit so schnell nicht mehr geben, wenn überhaupt. Niemals war es offensichtlicher, dass die "gewohnte Sparbuchstrategie" nicht mehr aufgeht. Ein Bundesfinanzminister müsste das wissen.


Und noch eins: als Politiker hätte Herr Scholz die Verantwortung, sich Gedanken zu machen, wie der Staat den Bürgerinnen und Bürgern gerade in dem jetzigen Negativzinsumfeld bei der Altersvorsorge helfen kann. Unserem Land droht eine Altersarmut großen Ausmasses.